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21.11.17

Am vergangenen Freitag hatten wir einen wunderbaren Abend im Unterhaus! Es trafen sich 15 Menschen, die sich zum ersten Mal kennenlernten, um gemeinsam die großen Fragen Europas zu klären. Was ist Europa für dich? Fühlst du dich als Europäer? Wie groß ist dein Solidaritätsgedanke? Diese und ähnliche Fragen forderten zur Auseinandersetzung auf...mit der eigenen Anschauung, den Verbündetetn und Andersdenkenden in der Runde. So werden in einem spielerischen Rahmen die ganz großen Themen beleuchtet, Allianzen geschaffen, verworfen und wieder zusammengeführt. Ein wirklich spannendes Konzept, welches sich die Köpfe von Rimini Protokoll da mit der Produktion #HausbesuchEuropa ausgedacht haben. Uns ist es ein riesiges Vergnügen als GastgeberIn dabei zu sein!

Freitag war nur der erste Streich und der zweite folgt....am 14. Dezember im Turm. Wir sind schon voller Vorfreude...

 
10.09.17
und hier der Artikel online zum Nachlesen, wer ein digitales WAZ Plus Abo hat!


 
09.09.17
Schönheit für lau
Beim Betreten des Oberhauses ist der Berg an Reklame-Prospekten im Hausflur nicht zu übersehen, deren Zusteller keine Notwendigkeit darin zu sehen scheint, sie einzeln in die Briefkästen zu werfen. Die Studenten*innen erkannten darin ein ungeahntes Potential, welches sie zu einer Idee inspirierte. Diese Reklame-Prospekte (clever zusammengehalten mit Gummiringen aus alten Fahrradschläuchen, die von der Radstation neben dem Bahnhof gespendet wurden) lieferten im zusammengerollten Zustand ein unerwartet, geeignetes Material. Innerhalb der praktischen „easy-to-fill“-Rahmen, welche auf die Schnelle gebaut wurden, dienen die Prospektrollen eine ideale Halterung, zwischen die sich wunderbar kleine Nachrichten oder Briefe klemmen lassen. Und selbst andere Möbelstücke, wie Sessel, Bücherregale oder Tische, lassen sich einfach selber herstellen. Aus den anfangs nutzlos wirkenden Reklame-Haufen, welche Woche für Woche lieblos in die Eingangshalle geworfen werden, sind am Ende brauchbare und zugleich wunderschöne „Dienstleistungen“ entstanden.
(ein Projekt von: Janneke - Lucinda - Daniele - Hande - Adriel with thanks to: Saleh - Moayad - Omar - Achmad - Simon - Merve - Erdem and Yamina)


Die wertgebende Müllvitrine
Nicht nur im Treppenhaus oder Eingangsbereich des Hauses, sondern im gesamten Areal im und rund ums Hochhaus lässt sich Müll finden, der von der Bewohnerschaft achtlos weggeworfen wird. Inmitten diesem Müll gelang es den Studenten*innen immer wieder Material zu finden, welches sich eines zweiten Lebens bewehrt machte. So fanden sie von ausgedienten Computern und Fernsehbildschirmen, über Spielzeug bis hin zu massenhaft Altpapier jede Menge brauchbares Material, welches sich im Handumdrehen von seinem neuen Besitzer*in reinigen, reparieren und wiederverwenden lässt. Jede Wiederverwendung startet mit der Reaktivierung des kaputten Gegenstandes und der damit neu gewonnenen Perspektive auf Müll. Um den Perspektivwechsel einzuleiten, kamen einige Studenten*innen auf die Idee eine Vitrine aus weggeworfenen Fensterrahmen (nur die Schrauben wurden neu gekauft) zu bauen und bestückten sie liebevoll mit dem gefundenen „Müll“. Eine wundervolle Gelegenheit die „Wegwerf-Gegenstände“ mit all ihrer Geschichte neu in Szene zu setzen. Plötzlich erschienen sie im Licht der Vitrine in völlig neuem Glanz und bekamen dadurch eine ungeahnte Wertigkeit. Die Vitrine kann als eine Art Tauschgeschäft für Müll verstanden werden, bei dem eine neue Perspektive den Weg in eine neue Zukunft ebnet. Durch die Bewusstmachung der jeweiligen Geschichte eines Gegenstandes, bekommt der Betrachter automatisch eine Verbindung zum Vorbesitzer und dessen Geschichte.
(ein Projekt von: Jack - i chieh - hangpin with thanks to: Saleh - Moayad - Omar - Achmad - Simon - Merve - Erdem and Yamina)


Spielerisches Gästezimmer
Mit ihrem Projekt Oberhaus gelang es kitev eine künstlerische Initiative in einem „problematischen“ Hochhaus in Gang zu setzen und damit einen Startschuss zur Verbesserung des gesamten Quartiers zu geben. Dabei fokussiert sich das Projekt darauf, einen interkulturellen Dialog zwischen aktuellen und neuen Bewohnern*innen der Nachbarschaft herzustellen. Damit dieser Dialog überhaupt ermöglicht werden kann, sind neben einem leerstehenden Ladenlokal im Erdgeschoss, noch zwei freie Wohnungen in den Gestaltungsbereich gefallen. Zukünftig möchte kitev diese Räumlichkeiten stetig als Kollektivorte etablieren. Bevor dies realisiert werden kann, ist der erste Schritt, die Bewohner*innen, welche sich definitiv nicht als eine Gemeinschaft sehen, zu überzeugen, einzuladen und aufzufordern an dem Prozess teilzunehmen und sich als Teil des Geschehens zu empfinden. Als eine mögliche Einladung zur Partizipation, gestalteten die Studenten*innen einen „spielerisches“ Gästezimmer, wo sich mit Freunden nach Herzenslust in die Hängematte geworfen werden darf.


Coole Bohnen
Die Küche im spielerischen Gästezimmer bietet bislang nicht die Möglichkeit für eine größere Gesellschaft zu kochen. Wo sich aber noch nicht einmal die einfachsten Gegenstände zum Kochen einer Tasse Tee finden lassen, tun sich bei näherer Betrachtung allerdings ganz neue Nutzungsmöglichkeiten auf. Spielerische Interventionen zum Beispiel. Die Studenten*innen funktionierten kurzerhand die spärlich eingerichtete Küche in einen Kreislauf von Bewegung, Geräuschen und Essen um. Die dafür verwendeten Materialien fanden sich alle in der unmittelbaren Umgebung des Oberhauses. Ihre kreierte Installation verwandelt die Küche somit spielerisch zu einer Maschine, bei der eine Bewegung direkt die nächste auslöst. Dem ultimativen Akt des Zufalls unterlegen, landet eine Handvoll Kaffeebohnen mitunter direkt im benachbarten „Koffer-Garten“, einen Miniatur-garten, den die Gruppe Studenten*innen auf dem dazugehörigen Balkon errichteten. Von dort aus können die Bohnen, weich gefallen auf fruchtbaren Boden, wachsen und gedeihen.
(ein Projekt von: Jaja - Cam - Zara with thanks to: Saleh - Moayad - Omar - Achmad - Simon - Merve - Erdem and Yamina)


Inside garden hang-out
Der Annahme zum Trotz, dass sich die meisten brauchbaren Materialen im Ruhrgebiet womöglich auf Fabrikgeländen und Müllhalden finden lassen, braucht es mitunter nur einen einzigen Gang in den Keller von kitev im Bahnhofsturm. Ein großer Haufen dicker Seile war dort zu finden. Ein „Überbleibsel“ aus einem vergangenen Projekt, das nur darauf wartete wieder verwendet zu werden. Das ließen sich die Studenten*innen nicht zweimal sagen und trugen Stück für Stück die Seile aus dem Keller, um sie neu zu arrangieren, zu verknüpfen und mit anderen Materialien zu verknoten. Innerhalb kurzer Zeit entstanden daraus stabile Hängematten, ein Möbel, welches sich auf der ganzen Welt zuhause fühlt und praktischerweise schnell und überall aufhängen lässt. Von weiteren Material, dass in den Tiefen des kitev-Kellers zu finden war, nähten die Studenten*innen aufhängbare Taschen für einen kleinen „Hänge-Garten“, der dem „spielerischen Gästezimmer“ einen ebenfalls wohnlichen Charakter verleiht. In einer Gegend, wo die nächste Grünfläche einen größeren Fußweg entfernt liegt, die perfekte Gelegenheit ein alternatives Garten-Feeling entstehen zu lassen.
(ein Projekt von: Jinaa - Yungkung - Laura - Shin - Lotti with thanks to: Saleh - Moayad - Omar - Achmad - Simon - Merve - Erdem and Yamina)


Einladung zu starten
Die Installation der Studenten*innen brachte viel an Potential im Oberhaus zum Vorschein, auch wenn die Ziele für ein viertägiges Projekt von Studenten*innen aufgrund des kurzen Zeitraums nicht allzu hoch gesteckt werden konnten. Dennoch zeigen die, in Kooperation mit `Architecture For All`aus Istanbul entwickelten Interventionen zweifellos, dass ein Mitwirken der Bewohnerschaft durchaus einer Einladung bedarf, aber möglich ist. Auf lange Sicht fördert dies neue Verbindungen unter den Nachbarn und aktiviert eine neu verstandene Gemeinschaft in Oberhausen und ihrem Oberhaus.

 
#1-2: Christoph Stark, #3-6: Gerd Wallhorn, #7-14: Jan Körbes
06.09.17
Die erste Septemberwoche verbringen die Studenten im Ruhrgbiet und arbeiten am und im Hochhaus. Als Beitrag zum "Projekt Oberhaus" werden sie gemeinsam mit einigen Bewohnern Orte im Oberhaus neu denken und neu gestalten. Unter der Anleitung und Hilfestellung von Jan Körbes von Refunc werde "geerntete" Materialien, die in der Umgebung reichlich vorhanden sind eine neue Verwendung und Bestimmung erhalten. Die neuen Orte sollen welche der Begegnung sein um die Kommunikation im Haus und das Zugehörigkeitsgefühl zu stärken.



- 16 Studentinnen und Studenten des Masterstudiengangs INSIDE (Royal Academy of Art The Hague):
Jack Bardwell - Lotti Gostič - Hande Öğün - Hangping Yang - Adriel Quiroz Silva - Laura Frias Munoz del Cerro - Huaxin Zhang - Yunkyung Lee - Daniele Valentino - I-Chieh Liu - Zara Bennett - Jinaa Baek - Janneke Derksen - Shinyoung Kang - Pichaya Puapoomcharoen - Yuan-Chun Liu
- Bewohner und Nachbarn: Mohammad - Saleh Jumaa - Moayad Nadaf - Omar Sheko - Endurance Osayi
- 'Herkes İçin Mimarlık' (Architektur für Alle), Istanbul - Merve Gül Özokcu - Erdem Üngür - herkesicinmimarlik.org
- Netzwerk Immigra, Duiburg - Fatima Caliskan - netzwerk-immigra.de
- REFUNC, Rotterdam/Berlin - Jan Körbes - Yamina Baumgartner refunc.nl
- kitev, Oberhausen - Agnieszka Wnuczak - Christoph Stark - Stefan Schroer - Gesina Rath - Simon Mellnich - Ahmad Abbas - kitev.de
- INSIDE, The Hague, - Hans Venhuizen - Erik Jutten - Lotte van den Berg - enterinside.nl
 
#1-7: Christoph Stark #8-11: Jan Körbes #12-14 Merve Gül Özokcu
05.09.17
Dreckige Realität
Zu Beginn konnten die Studenten*innen ihr Erschrecken über den Dreck auf dem Boden, den unangenehmen Geruch im Treppenhaus oder die Müllansammlungen in den Fluren des Oberhauses kaum verbergen. Das Gebäude ist in letzter Zeit offensichtlich kaum gepflegt worden. Das kann auch als ein Signal eines mangelnden Gemeinschaftssinn untern den Bewohnern*innen verstanden werden. Das Oberhaus ist häufig eine Durchgangsstation für viele, die ihren endgültigen Wohnort noch nicht gefunden haben. Die Bewohner*innen pflegen kaum den Kontakt untereinander. Ihr einziges Ziel scheint darin zu bestehen, so schnell wie möglich aus dem Hochhaus auszuziehen.

So war es die erste Aktion der Studenten*innen, Putzmittel zu besorgen und sich an die Reinigung der Eingangshalle des Hauses zu machen. Diese Aktivität führte wiederum zu der zündenden Idee, dem niemals schwindenden Müllberg im Gebäude ein Ende zu setzen.

 
#1-4 (c) Hans Venhuizen #5 (c) Merve Gül Özokcu
03.09.17
Ein Projekt von INSIDE (master interior architecture Royal Academy of Art The Hague)
als Teil des Projekts Oberhaus von kitev in Oberhausen unter der Leitung von Jan Körbes von REFUNC

Das Oberhaus ist eine Initiative des Künstlerkollektivs kitev, dessen Ziel die Aufwertung eines stigmatisierten Hochhauses in der Oberhausener Innenstadt mithilfe künstlerischer Methoden ist. Der Fokus liegt dabei auf einem interkulturellen Dialog zwischen der aktuellen und künftigen Bewohnerschaft, um eine langfristige Verbesserung zu schaffen. Die Studenten*innen von INSIDE wirkten kreativ mit, indem sie vier künstlerische „Dienstleistungen“ gemeinsam mit den Bewohnern*innen gestalterisch umsetzten, bei denen alle Materialen aus der direkten Umgebung des Oberhauses gesammelt und verwertet wurden. Neben dem, dass es dem Haus eine gemütliche Atmosphäre verschafft, verstärkt es auch das Zugehörigkeitsgefühl der Bewohner*innen zu ihrem Zuhause.

Der Lehrplan von INSIDE sieht es vor, die Innenarchitektur vor kulturelle und soziale Herausforderungen zu stellen und setzt seinen thematischen Fokus dabei auf einen sozial relevanten räumlichen Auftrag. Die Studenten*innen nutzen damit ihre Position Menschen und ihre unmittelbare Umgebung mit der Außenwelt in Beziehung zu setzen. In der Realität ist es oft so, dass gestaltete Räume, ob Wohngebäude oder öffentliche Plätze, nicht in der Weise funktionieren, wie es sich der Initiator ursprünglich gedacht hat. Aufgrund unerwarteter Veränderungen in der Nutzung der spezifischen Räume oder deren Umstände, können sie ihre ursprüngliche Unversehrtheit verlieren und sind dem Verfall nahe. Das diesjährige, sehr vielfältige Programm von INSIDE, begibt sich auf Spurensuche nach den Qualitäten oder Mangel an Qualitäten von verwahrlosten Orten. Als Ausgangspunkt dient dabei die „dreckige Realität“, mit dem Ziel diese in ihrer Gestaltung zu verändern. Es unterliegt der Grundannahme, dass durch die Anpassung eines Gebäudes an die realen Umstände seiner Umgebung, immer auch die Stärken und Kreativität der dort lebenden Bürger*innen zum Vorschein bringen kann.

 
Foto: Gerd Wallhorn
03.09.17

Die Sommerferien sind zu Ende, Oberhausen startete mit Schlaflos in den Spätsommer!

Auch wir haben uns an der Oberhausener Kulturnachrt beteiligt und Jazzpiya um ein Konzert gebeten. Jazzpiya sind seit vielen Jahren im Exil lebende türkische Musiker und einheimische Musiker aus Duisburg, die traditionelle Kirmanci-Musik mit westlich-modernen Jazz-, Reggae- und Folk-Elementen verbinden. Die Lieder ihres Songwriters und Sängers Necati Teyhani handeln von der Sehnsucht nach der verlorenen Heimat und sind musikalisch zugleich kraft- und hoffnungsvolle Ausdrücke von gelebter Gegenwart und Zukunft im Exil.

Für "Schlaflos" entstand ein besonderes Jazzpiya-Setting: In schlaflosen Nächten aus Schmerz geborene Texte & Lieder für im Krieg verlorene verwandte und befreundete Menschen. Die Text-Lesungen von Fatma Caliskan erfolgten in deutscher Sprache, der Gesang in Kurdisch.

Danach ab 21 h folgte ein klassisches Jazzpiya-Konzert: Necati Teyhani – Baglama, Vocal; Gürsoy Tanc – Gitarre; Andre Meisner – Sax; Martin Pauls Percussion.

 
08.07.17


Super nice: Das Oberhaus ist nominiert für den internationalen NICE-Award 2017, der jährlich von ecce ausgeschrieben wird. Der diesjährige NICE-Award steht unter dem Thema "inklusive Welt".

Die ehemals singuläre Funktion der Architektur als (Wohn)Objekt, verschiebt sich immer mehr in Richtung partizipativer, besser noch kollaborativer Stadtentwicklungsprozess. In unserem Verständnis geht Partizipationan an Architektur über das bloße Diskutieren hinaus. Geschichten, Wünsche, Bedarfe, spiegeln sich nicht ohne Weiteres in Grundrissen und Schnitten wieder sondern brauchen eine ganzheitlichen und umfassenden Betrachtung. Wirkliche Teilhabe und damit auch Identifikation beginnt dann, wenn Verantwortung für den gemeinsamen Lebensraum anders (neu) verteilt wird und jede(r) sein und ihre Erfahrungen und Expertise mit einbringen kann.

Die finale Entscheidung über den NICE-Award wird im September fallen. Bis dahin freuen wir uns über die Anerkennung auch im Namen all jener, die daran in vielen kleinen Schritten mitwirkten!

✌️

 
30.05.17

Ein Text von Marcela Ceballos:

Letzte Woche besuchte ich Oberhausen zum ersten Mal. Erwartungsvoll kam ich in der Stadt an, die ich durch die Aktivitäten eines Kulturvereins kennenlernte, die sich mit der aktiven Gestaltung und Reflektion einer transformativen Gemeinschaftlichkeit auseinandersetzt: kitev. Mein Name ist Marcela und ich kam vor einem Jahr aus Kolumbien nach Deutschland. In meinem Land habe ich Industrial Design und Kulturmanagement studiert und mache jetzt meinen Master in Design Research in Dessau-Rosslau. Zur Zeit beschäftige ich mich vorwiegend mit Projektanträgen von Designern*innen, Künstler*innen und Architekten*innen, die sich mit neuen Rahmenbedingungen der kulturellen Integration und Immigration auseinandersetzen und in diesem Sinne ein Umdenken in der gemeinsam gestalteten und gelebten Realität herbeiführt.

Nach Oberhausen kam ich geleitet von einer Neugier und der Möglichkeit des Kennenlernens zweier Projekte von kitev, die mir in meiner Recherche auffielen. Mein Reiseverlauf: Ich sah, zusammen mit vielen unterschiedlichen Teilnehmern*innen der Gemeinschaft die Filmvorführung eines italienischen Films in den Räumlichkeiten des Oberhauses, bei der ich auch einen Blick auf die Arbeit der Refugees´ Kitchen werfen durfte, die köstliche Gerichte für alle Gäste anbot.

Eigentlich hatte ich geplant, noch am selben Abend wieder zurück zu fahren, aber ich blieb. Und ich blieb, weil ich das gelungene Schaffen, was ich dort sah, in meinen Augen,das Gelingen von interkulturellen Projekten hervorragend darstellt. Ich blieb auch, weil ungeahnte Hürden im Laufe meines Aufenthalts immer mehr verschwanden.

Und ich wollte noch tiefer ins Geschehen eintauchen, um es zu verstehen. Plötzlich fand ich mich in einer sehr internationalen Atmosphäre wieder, wo bei gutem Essen und vielen interessanten Menschen Erfahrungen und Standpunkte ausgetauscht wurden. Dies alles klingt nicht nach einer neuen Erfindung Menschen zusammen zu bringen. Vielleicht ist es auch nicht neu. Aber hierbei geht es nicht unbedingt um eine Neuheit, viel mehr um die Möglichkeit der Erschaffung einer klaren Grundlage, auf der solch eine Zusammenkunft überhaupt erst in seiner Ungezwungenheit stattfinden kann. Auch geht es darum eine Platform zu bieten, auf der sich Austausch und die Erkundung kreativer Fähigkeiten bündeln: Keine einfache Aufgabe.

Als Designerin bin ich überzeugt, dass ein großes Potential für Designer*innen, Künstler*innen und Architekten*innen darin besteht, sich in die Generation solcher Platfomen zu involvieren. Bei kitev zeigt sich diese Platform in Gestalt einer mobilen Küche und einem kulturellen Treffpunkt, vereint in einem sehr besonderen Hochhaus. Die Möglichkeiten, die in dieser Vereinigung noch schlummern sind noch nicht alle vorstellbar. Sie werden erst sichtbar, wenn wir unsere Rolle als Förderer von kulturellen Interaktionen, Gestaltern von kollaborativen Räumen und empathischer Generation begreifen. Ich glaube auch, dass uns die kulturelle Integration alle etwas angeht, weil es uns die Chance gibt unsere bisherigen Werte in einer Gesellschaft zu hinterfragen und somit neu zu gestalten kann und uns fragen lässt, wie wir eigentlich als Menschen miteinander umgehen wollen.

Natürlich bestimmt dieses Thema bereits längst die Tagesordnung sämtlicher Regierungen, und das sollte es auch. Aber während noch über die großen Ausmaße und massiven Lösungsansätze diskutiert wird, sollten viel mehr lokale Orientierungen entstehen, welche dort greifen, wo es anfängt, in den alltäglichen Situationen, die in der großen Diskussion oft nicht wahrgenommen werden können.

Dann ist es besonders berührend zu sehen, wie Menschen unterschiedlichster Herkunft und Lebensgeschichte zusammenfinden, um eine Situation neu zu bewerten, die von vielen als Problem betrachtet, aber hier stattdessen als eine Gelegenheit erkannt wird, mehr Toleranz unter den verschiedenen Lebenswelten zu schaffen. Ich habe es gesehen, erlebt, hier in Oberhausen: hier, wo sich eine Gemeinschaft für ihre Zukunft und das aktive Zusammenleben verantwortlich fühlt.

 
22.05.17

 

Knapp eine Woche ist es nun her, da tummelte sich filmbegeistertes Publikum in der Friedrich-Karl-Straße. Denn Kitev und das Büro für Interkultur der Stadt Oberhausen luden vergangenen Dienstag ins Oberhaus, wo sich der Leerstand im Erdgeschoss diesmal in einen kleinen Kinosaal verwandelte. Anlass war die Vorführung des italienischen Films «Circo Togni».

Ein wunderschöner Film, der Privataufnahmen der Zirkusfamilie Togni aus den 40ern bis 70er Jahren zeigt und dabei live atmosphärisch von einem Trio mit E-Gitarre, Djoze-Kniegeige, Klarinette und Saxophon vertont wird. Entdeckt und Restauriert wurde das Fimmaterial im Archivio Nazionale del Film di Famiglia in Bologna. Der Stummfilm zeigt Szenen aus dem Leben einer Zirkusfamilie, die mit ihrer Handvoll Elefanten es Hannibal gleicht tat und somit bewies, dass die Alpen doch mit den großen Dickhäutern zu überqueren sind. Das Publikum konnte anschließend ihre Fragen persönlich an den Archivleiter und den Restaurator stellen, die sich die Reise nach Oberhausen nicht entgehen ließen.

Mit ihnen waren es viele Oberhausener*innen, sowie zahlreiche internationale Gäste, die einen wunderschönen Abend erlebten, welcher neben Hören und Sehen, auch das Schmecken und Bestaunen nicht unbeachtet ließ. Das Team der Refugees´ Kitchen stellte ein arabisch/italienisches Anti-Pasti-Buffet zusammen, ein Jongleur wirbelte währenddessen seine Kegel in den Oberhausener Abendhimmel und bei immer noch sommerlich warmen Temperaturen mundete auch jedem der italienische Landwein ganz vorzüglich.

So bunt, international und tolerant ein Zirkus ist, verbreitete sich dieses Lebensgefühl auch unter den Gästen an diesem Abend. Wir danken Geremia Carrara, dem Musiker Alessandro Palmitessa und Interkultur Ruhr, sowie dem Büro für Interkultur für diese großartige Veranstaltung.....und wir lassen jederzeit wieder die Leinwand für euch runter!

 
18.04.17
Es ist immer wieder schön unsere Freunde vom Theodor-Heuss-Kolleg zu Besuch zu haben. Das diesjährige Koordinatoren-Netzwerktreffen vom 18. bis 25. April fand nämlich bei uns in Oberhausen statt und damit auch in den Räumlichkeiten vom Oberhaus. Neben vielen bekannten Gesichtern, kamen auch zahlreiche neue Bekanntschaften hinzu, die sich bei feinen, arabischen Speisen, gekocht vom Team der Refugees´ kitchen, im Leerstand Oberhaus zusammenfanden. Wir freuen uns auf eine ereignisreiche Woche mit viel Austausch und gemeinsamen Ideen-Schmieden.
 
22.03.17
 
03.02.17

Oberhaus öffnet seine Tür für immer mehr Menschen. Eine Gruppe von Studenten der Universität Duisburg-Essen erforscht Oberhaus im Rahmen eines Seminarkurses "MAKING HEIMAT DEUTSCHLAND, ARRIVALLAND - Flüchtlinge" Eine Kooperation mit dem Deutschen Architekturmuseum und dem Institut für Stadtplanung und Städtebau.Nachdem die Schüler so viele Aktivitäten gemacht hatten, wie die Kartierung der Umgebung von Oberhaus, die Erforschung von Grundsätzen für gefährdete Gesellschaften wie Flüchtlinge usw. Es ist Zeit zu gehen und die Residenz von Oberhaus kennen zu lernen und ihre Geschichten zu hören.
Hände in, helfen wir Studenten zu gehen in. Warum nicht eine Waffel-Sitzung? Süßigkeiten sind immer eine gute Idee, Leute zusammenzubringen.

 
10.01.17
Jeder ist aufgeregt, heute ist der Tag. Die Bewohner von Oberhaus kommen zusammen mit interessierten Bürgern der Stadt zu den Ergebnissen der Teamarbeit in diesen zehn Tagen zu sehen.
Die Stadt schlief letzte Nacht, als unsere Freunde wach waren und hart arbeiteten, um alles für heute bereit zu stellen. Zehn Projekte wurden gebaut und gefertigt. Heute Abend wird Oberhausen nicht früh schlafen, Oberhaus ist voller Freude. Vom Dach bis zum Erdgeschoss.

U-Bahn Oberhausen

Städtische Legenden tragen zur Wahrnehmung von Orten bei. Deshalb haben Aleksandr, Roman und Arsen eine Legende für das Hochhaus erfunden. Sie dreht sich um ein einzigartiges Merkmal des Hauses. Es braucht nicht viel, um diese Idee zu unterstützen. Sagen Sie einfach Ihren Freunden: „Es gibt eine neue U-Bahn Station im Haus“.

Aleksandr Shevchenko – Ivano-Frankivsk, Ukraine
Roman Sakh – Kiev, Ukraine
 and Arsen Vardanyan – Gyumri, Armenia

We are here

Mitya und Kate beschäftigen sich mit dem ikonografischen Motiv der Eroberung. Zusammen mit den Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Gästen besetzen sie symbolisch für einen Abend das Hochhaus und bedienen sich dabei aller Mittel, die man für eine echte Hausbesetzung braucht. Mit dieser Inszenierung möchten die beiden auch auf die symbolische Bedeutung historischer Dokumente hinweisen, die unsere Vorstellung der Geschichte prägen.
Mitya Chririkov – Kiev, Ukraine / Berlin, Germany
Kate Rusetska – Dnipro, Ukraine

Das Innen Leben

Eine Projektion auf die Außenwände des Hochhauses zeigt Schauplätze des Inneren, als wären die Wände des Gebäudes entfernt worden. In ihrer Arbeit wollen Nikita und Maxim symbolisch die Wände durchbrechen, die zur Ausgrenzung in der Gesellschaft führen. Werfen Sie einen Blick hinein und steigen Sie in einen offenen Dialog mit den Menschen ein.
Nikita Ovsiuk – Novosibirsk, Russia
Maxim Kuzmenko – Chișinău, Moldova

Wo gehörst du hin?

Wenn man sich aufmerksam umschaut, erkennt man auch jene Dinge, die nicht offensichtlich sind. Bitte wählen Sie eine Karte und senden Sie sie an eine Person, die Sie mögen. Machen Sie mit bei einem Projekt über das Zuhause und darüber, wo man hingehört.
Zhan Pobe – Chernivtsi, Ukraine
Ekaterina Sharova – Arkhangelsk, Russia
Iryna Kats – Kremenchuk, Ukraine
In collaboration with: Anastassia Tamarovskaya – Krasnoyarsk, Russia and Ghaith Shahta – Oberhausen, Deutschland / Aleppo, Syria

Concierge

Seien Sie willkommen an der Rezeption und genehmigen Sie sich einige Minuten in der Mini-Lounge. Der Pop-up-Concierge-Service bietet jedem, der das Gebäude betritt, einen Moment zwischenmenschlicher Begegnung.
Iryna Yakovchuk – Kiev, Ukraine
Ara Nazinyan – Yerevan, Armenia
Elena Kropaneva – Ekaterinburg, Russia

Konsulaty

Flaggen unterschiedlicher Staaten schmücken das Haus. Flaggen, die reale, ferne, fantastische und persönliche Räume repräsentieren. Die Verbindungen schaffen und ineinander übergehen.
Platon Silvestrov – Lviv, Ukraine / Köln, Germany
Rostislav Silvestrov – Köln, Germany

Bicycle

Es gibt keine sicheren Fahrradgaragen in der Nähe des Oberhauses. Ein Fahrradkäfig ist eine kostengünstige Lösung, die auf vielfältige Weise rea- lisiert werden kann. Schauen Sie, welche Möglichkeiten sich rund um das Hochhaus bieten.
Vladimir Zlokazov – Ekaterinburg, Russia

Hyper Cubes

Eine Lichtinstallation. Auf den Seitenflächen des Würfels wird eine Verbindung mit dem Inneren des Treppenhauses geschaffen. Lassen Sie im Vorbei- gehen die Schnittstellen dreier, vielleicht sogar vierer Dimensionen im Raum auf sich wirken.
Elena Titova – Ulyanovsk, Russia
Andrii Tuzhykov – Chernivtsi, Ukraine
Ruslan Sabirov – Kazan, Russia

Selfie im Aufzug

“Selfie im Aufzug” ist ein Angebot an alle Bewohnerinnen und Bewohner sowie Gäste des Hauses, eine 30-sekündige Verbindung einzugehen. “Wer sind wir?”, steht als Frage im Raum. Sie können eine Antwort erhalten, sobald sich die Aufzugstür schließt.
Elena Titova – Ulyanovsk, Russia
Andrii Tuzhykov – Chernivtsi, Ukraine
Ruslan Sabirov – Kazan, Russia

Shiny Toys

Das audiovisuelle Festival Shiny Toys aus Mülheim verwandelt den Leerstand im Erdgeschoss des Oberhauses mit der Installation „Explore sight and sound“.
LIVE: Tintin Patrone & Tim Huys, Nils Quak, Ray Vibration und Moogulator VISUALS: RaumZeitPiraten, Yochee/ 7dex I visuals & stuff
DJs: Tofuland, Einar Zuviel (Skribble Gebibble)
www.shinytoys.eu

Fotos: © Руслан Альтимиров, Anastassia Tamarovskaya and Andrii Tuzhykov

 
10.01.17
Was kann es eine bessere Idee für unseren "Leerstand" geben als ein Refugees' pop-up Restaurant?

Nach ihrem grandiosen Auftakt im Sommer diesen Jahres und vielen aufregenden Begegnungen, erlaubte sich die Refugees´ Kitchen eine kurze Winterpause einzulegen und ihr Lager im Innern des Oberhauses aufzuschlagen. Der Herd sollte trotzdem nicht still stehen. Im Leerstand des Oberhauses wurde im hinteren Bereich kurzerhand eine Küche eingerichtet und zu einem Pop-Up-Restaurant umgestaltet.

Unser palästinensischer Koch 'Feras' findet, dass er hier endlich wieder ein tolles Restaurant haben kann. Ein Anlass folgte alsbald. Er und sein Kollege Ahmed aus Syrien kochten und servierten täglich ein orientalisches Mittag- sowie Abendessen während unseres 10-tägigen Forum Regionum im Dezember. Kreatives Arbeiten macht hungrig. Unsere Teilnehmer*innen aus den osteuropäischen Ländern waren entsprechend begeistert von dieser besonderen Art der Verpflegung. Die Freude stand ihnen ins Gesicht geschrieben und der gute Geschmack lag noch lange im Gedächtnis.

Fotos: © Руслан Альтимиров
 
20.12.16

Vom 9. bis 18. Dezember 2016 fand im Turm des Hbf und im Hochhaus in Oberhausen zum ersten Mal das Pilotprojekt Forum Regionum – ein Residenzprogramm für Künstler, Architekten, Stadtentwickler und Akteure der Zivillgesellschaft aus Russland und den Ländern der östlichen Partnerschaft - statt. 

Ziel des 9-tägigen Forums ist ein intensives Zusammenarbeiten und das Entwickeln von Pop-up-Formaten und Interventionen für verlassene oder nicht genutzte Gebäude und öffentliche Räume, die sich vom Oberhausener Kontext auf die Heimatregionen der Teilnehmenden übertragen lassen. Die Teilnehmer bekommen außerdem die Möglichkeit, lokale Initiativen und kulturelle Einrichtungen in Oberhausen und anderen Städten des Ruhrgebiets kennenzulernen, die erfolgreich nachhaltige Projekte für die Entwicklung urbaner Kunst und Kultur umsetzen. 


Teilnehmende am Forum Regionum sind Künstler, zivilgesellschaftliche Akteure, Kulturmanager, die in einer NGO oder öffentlichen Einrichtung aktiv sind, Angestellte kommunaler Verwaltungen, Architekten, Stadtplaner und -designer, die ihren Arbeits- und Lebensmittelpunkt in einem urbanen Raum jenseits der Hauptstädte in Armenien, Moldova, Russland, der Ukraine und Deutschland haben. Die Teilnehmenden sind zwischen 25 und 50 Jahre alt und kommen aus Sibirien, dem Ural, der West- und Zentralukraine, dem ländlichen Armenien, Chisinau sowie aus Berlin und Köln. Der Stadtplaner und Architekt Urban Jeriha von der NRO Ipop (Institut for Spatial Policies) aus Ljubljana und Matthias Einhoff – Gründer und künstlerischer Leiter des Zentrums für Kunst und Urbanistik in Berlin – haben als Mentoren das Forum begleiten. 


Die Abschlusspräsentation, -ausstellung und –party des Forums findet am Samstag, 17.12.2016, ab 18.00 Uhr im Hochhaus Oberhausen, Friedrich-Karl-Straße 4, 46045 Oberhausen, statt. Neben den Ergebnissen des Forums wird das audiovisuelle Festival Shiny Toys (Mülheim) mit der Installation „Explore sight and sound“ sowie visuals, DJs und Musik den Samstagabend im Hochhaus gestalten.

 Forum Regionum wird von Agnieszka Wnuczak und Christoph Stark von kitev – Kultur im Turm e.V. (Oberhausen), den Alumni des Robert Bosch Kulturmanagerprogramms Barbara Anna Bernsmeier, Kathrin Oerters und Cornelia Reichel in Kooperation mit MitOst e.V. (Berlin) durchgeführt. Das Forum wird im Rahmen des Programms „Ausbau der Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft in den Ländern der Östlichen Partnerschaft und Russland” vom Auswärtigen Amt gefördert.


 
22.08.16

Ja, wir wurden zum Essen eingeladen! Unser Nachbar Daniel hat uns zu einem luxuriösen eritreischen Essen eingeladen. “Bring deine Freunde mit!” Haben wir natürlich getan, Freunde gibt es Viele um uns herum. Zu Fred ist nun Andrea hinzugekommen, die hier zwischen Blogartikeln, Telefonaten mit italienischen Bürgermeistern einfach eine gute und kluge Seele im Haus ist. Und die uns hier begleitet, bis wir im September eine ganze Workshopreihe im Oberhaus eröffnen unter dem Titel “Mit! Workshops, Konzerte und gutes Essen in einer ko-kreativen Gesellschaft”.

Gutes Essen erzählt ja viel. Über die Art, Dinge zu benennen in einer Sprache. Erfindet man wohlklingende Namen, Marken für Gerichte, oder beschreibt man einfach, was auf dem Teller ist? Ist es unhöflich oder eine Geste von Respekt, wenn jeder sich selbst nimmt? Tut man sich gegenseitig etwas Gutes, wenn man den Einkaufszettel als Teil der Projektabrechnung versteht oder ist es eine wichtige Geste des Miteinanders, sich als Privatperson gegenseitig einzuladen und auch finanziell verantwortlich zu machen?

Wir entdecken nicht nur neue kulinarische Welten, sondern auch Arten, sich einzuladen. Wir befragen unsere Gewohnheiten und bieten sie ebenso zum Genuss an. Wir sind hier gemeinsam und beginnen, reihum zu Mittag zu kochen und auf dem Platz vor dem Oberhaus zu speisen, so wie wir es uns vor wenigen Wochen noch erträumt hatten. Wir träumen die Realität. Wir sind Teil einer Realität, die sich verändert. Wir haben keine Angst vor Schwierigkeiten, sondern suchen sie auf. Wir arbeiten an einer neuen Erzählung, die näher an unser tatsächliches Erleben heranreicht, als die, die laut um uns herum erklingen.

 
22.08.16

Fred ist da. Ja, wirklich. Er schreinert in der Werkstatt und gutgeistert durch die Flure. Richtet eine Holzschnitt-Werkstatt ein in einer der leeren Wohnungen. Da gibt es plötzlich Werkzeug für die Produktion von Bildern zwischen allen Menschen. Das hört sich poetisch an und so ist Fred.

Wir sind erstaunt über seine Blicke auf das Geschehen im Haus und die möglichen Perspektiven, die sich dadurch auch in unseren Synapsen zwischen Augen und Kopf herstellen. Wie leicht kann man sich hier fühlen? Wir stellen uns das Haus als grossen Körper und als Aquarium vor. Und sehen fliegende Gegenstände, die ein bisschen auch das Leben der Besitzer als Flug erzählen lassen. Ja, manchmal fällt etwas vom Balkon. Und das ist ja auch eine gute Möglichkeit, Leichtigkeit im Leben herzustellen. Was ist eigentlich wichtig? Und welche Welten sind möglich? Wir träumen ein bisschen und in das Haus hinein, wenn wir nachts in unseren Betten liegen.

Und strahlen den Leuten das ins Gesicht, wenn wir morgens im Hausflur von den meisten lächeln begrüßt werden. Es ist nicht alles einfach, aber irgendwie schön.

 
22.08.16

Hier eine kleine Notiz: es ist so schön! In der Werkstatt brummt es. Jeden Tag kommen wir ein Schritt weiter mit der Inneneinrichtung der Refugees´ Kitchen.

Und mit der Küche für´s Haus. Dafür recyceln wir in bester Manier direkt die Anfänge unserer Zeit im Oberhaus: Schränke und Verkleidungen tragen nun die Titel der Workshops von unserer Konferenztag mit StadtBauKultur. Neben all dem entsteht in der Werkstatt eine neue Polsterung für unsere mobile Kueche: Mohammed bezieht als ausgebildeter Schneider die Sitzbänke für Ellie. Stoff und Holz, Musik und Gespräche. Und solidarische Unterstützung. Die KFZ-Werkstatt sitzt schon lange auf einem angenagten Bürostuhl: gesagt, gebracht, bezogen.

 
22.08.16

Stimmt, wir bewegen uns gern durch´s Haus. Gehen gern hinein, hinaus, hindurch. Reden mit den Menschen, nehmen an ihren Tagesabläufen teil oder sind Teil davon. Und eines Tages merken wir: es ist Zeit, hier nicht nur zu arbeiten, sondern auch zu leben. Kurzerhand packen Agnieszka und Christoph als Pioniere ein paar Taschen zusammen, klemmen ein Turmzelt unter den Arm und auf geht´s in die siebte Etage!

Aber natürlich, uns fehlt noch Einiges. Eine Küche vor allen Dingen. Umso besser, dass der Elektrofachhandel Weller zum Haus gehört. In deren ehemaligem Lager wir ja übrigens gerade unsere Inneneinrichtung zimmern. Und tatsächlich längst überfällig, sich kennenzulernen. Wir spazieren also zum Laden, lassen uns ausführlich beraten und erzählen von unseren Ahnungen, Plänen, Ideen. Und davon, dass wir dafür als allererstes eine gut ausgestattete Küche brauchen. Um Gäste empfangen zu können. Und morgens die Wohnungstür zu öffnen und den Duft frischen Espressos durch den Hausflur ziehen zu lassen.

Es ist eine schöne Begegnung mit den langjährigen Mietern des Hauses. Wir lauschen ihren Geschichten und Eindrücken von den ständigen Veränderungen des Hauses, das eben mit seinen vielen Mietparteien fast schon ein kleines Dorf ist. Und Zeiten von Blüte und Verfall erlebt hat. Wir fragen uns, ob es nicht sein kann, dass das Haus in einem Zyklus lebt, der dem der Jahreszeiten ähnelt. Wir glauben irgendwie nicht daran, dass es nur eine strahlende Vergangenheit und eine düstere Zukunft geben kann. Und alles sieht danach aus, als ob hier gerade wieder etwas anfängt zu bluehen. Und ja: dafür bekommen wir schon das erste Mal Besuch! Ein gern gesehener und ab jetzt regelmäßiger Gast ist Fred aus Leipzig, der Oberhausen schon lange kennt und an allem, was Kittel tut, irgendwie mitarbeitet. Jetzt ist er also im Oberhaus und zieht auch ganz schnell in die Wohnung ein. Wir sind gespannt, was sich mit ihm bewegt und halten natürlich auf dem Laufenden.

 
22.08.16

Nachdem wir das Ladenlokal bezogen haben, arbeiten wir uns langsam nach oben vor. Erste Renovierungen in einzelnen Wohnungen beginnen. Wir entfernen Tapeten, Boeden, denken über Möglichkeiten nach, die kleinen Apartments möglichst klug und wohnlich einzurichten. Wir durchqueren bei der Arbeit die Hausflure, schliessen Freundschaften, nehmen und geben Unterstützung. Wir machen uns bekannt. Mit dem Haus, seinen Eigenarten, Gerüchen, Lichtstimmungen, Bewohnern und deren Angewohnheiten.

Wir entdecken versteckte Existenzen, stolpern über die Geschichten des Hauses, kleine Schilder im Keller, Verglasungen, Spuren von ehemaligen Müllentsorgungssystemen, vergessene Möbelstücke. Von rechts nach links, von unten nach oben. Oh, arbeiten nicht vergessen!

 
 
03.08.16

Oberhausen braucht dich. Ja, und Oberhausen sind eben auch wir. Unsere Refugees´ Kitchen wächst und gedeiht als gemeinschaftliches Bauprojekt. Komplex wie es ist, reicht da nicht mehr eine Werkstatt. Kurzerhand haben wir uns also entschieden, den Schaffensmodus schon ein mal ins Oberhaus einziehen zu lassen. Wo kurz zuvor im Workshop Hypothesen zur Nutzung des Hauses gebildet wurden, zieht nun die Realität ein: eine Werkstatt.

Hakimi und Jacqueline bauen dort an der Inneneinrichtung der fahrenden Küche. Ungeahnte Parallelnutzung: Bewohner des Hauses kommen vorbei, um Möbel reparieren zu lassen bzw. gemeinsam Hand anzulegen. Interessierte kommen vorbei, um sich nach der Verfügbarkeit von Wohnungen zu erkundigen und Mieter fragen, ob hier nun ein neues Büro des Vermieters aufgemacht haette, das für Rat und Tat zur Verfügung steht. Und dann kommen schon nach wenigen Tagen regelmäßig einige Leute zum Plausch vorbei. Die Nutzung des Ortes durch kommunikative Leute belebt den Platz vor dem Haus auf ungeahnte Weise. Türen stehen offen, die Säge kreischt, bei einer Zigarette vor der Tür kommt man miteinander ins Gespräch.

Der Platz vor dem Haus ist ein besonderer Ort in der Oberhausener Innenstadt. Er wird gekreuzt von verschiedensten Menschen. Ein Ort des Transits, der nun vielleicht auch ein Ort des Verweilen wird. Erste Bekanntschaften entstehen auf jeden Fall und wir erfinden jeden Abend neue Ideen, was wir dort alles machen koennten. Es ist wichtig, dass der Ort auch nach der Nutzung als Werkstatt für die Kitchen belebt bleibt. Freie Uni? Café? Wirklich ein Büro in Kooperation mit der Vonovia? Oder einfach weiterhin die Werkstatt, um den Reparaturbedarf im Haus bearbeiten zu koennen? Wir denken: es wird sich ergeben. Und wahrscheinlich eine Mischung aus Vielem sein. Ein Dialog zwischen unseren Vorschlägen und denen der Hausbewohner. Brauchen in Tun verwandeln, das ist vielleicht die Zauberformel für den Beginn im Oberhaus. Und der ist ja bereits gemacht.

 
 
07.07.16
Wir von kitev haben im Rahmen der Konferenz "Mehr [als] Wohnraum" in Kooperation mit StadtBauKultur NRW einen eigenen Workshop mit dem Titel "Hands on! Wir reparieren ein Hochhaus" veranstaltet. Das Hochhaus diente somit nicht nur als Veranstaltungsort, sondern war gleichermaßen Thema des Workshops. Das produktive Treffen war eine gute Gelegenheit gemeinsame Visionen und Ideen zur Zukunft des Hauses in einer größeren Gruppe zu entwickeln und auszutauschen. In Kooperation mit dem Wohnungsunternehmen Vonovia haben wir bisher drei Wohnungen und ein leerstehendes Ladenlokal übernommen und werden diese langfristig renovieren und für neue Nutzungsmöglichkeiten umgestalten. Der Renovierungsprozess wir ein kombiniertes Experiment von gemeinschaftlichen Bauen und gleichermaßen sozialer Integration sein und hoffentlich einen guten Beitrag zum Hauptthema der Konferenz liefern.
Der Workshop hat eine interessante Mischung an unterschiedlichen Personen angezogen: langansässige OberhausenerInnen und kürzlich Hinzugezogene, Professionelle aus den Bereichen Planung und Wohnraum, KünstlerInnen und StudentenInnen von nah und fern. Zuerst stellten diejenigen, welche die längste Erfahrung mit dem Hochhaus haben, ihren Eindruck über die aktuelle Situation dar, um alle auf eine gemeinsamen Stand zu bringen. Neben Herausforderungen wie der hohen Fluktuation, besonders in den kleineren Wohnungen, und den einseitigen sozialen Strukturen, wurde auch eine Reihe potentieller Möglichkeiten identifiziert: Z.B. niedrige Miete, großartige Lage und gute Sichtbarkeit in der Innenstadt, positive Eindrücke nach ersten Begegnungen mit den BewohnernInnen, so wie die relativ gut erhaltene Bausubstanz des Gebäudes. Innerhalb des Workshops wurden drei Gruppen mit unterschiedlichen Schwerpunkten aufgeteilt, welche sich an verschiedenen Stellen im leerstehenden Ladenlokal im Erdgeschoss platzierten. In diesen drei Gruppen wurden vorwiegend Visionen für die Zukunft des Hauses in den nächsten fünf Jahren entwickelt und darüber diskutiert wie diese Entwicklung tatsächlich stattfinden kann: Was kann unmittelbar geschehen und wo sollten Engpässe verschwinden, welche konkreten Interventionen im Wege stehen könnten. Alle Teilnehmenden waren sich darüber einig, dass es oberste Priorität hat, zu erst den Kontakt zu den aktuellen BewohnernInnen herzustellen und sich gegenseitig kennenzulernen - z.B. durch kleine Treffen, in denen die BewohnerInnen regelmäßig über den laufenden Prozess informiert werden, Gespräche mit den langansässigen BewohnernInnen zu führen, um mehr über ihre Interessen und das Haus generell zu erfahren. Was unter allen Umständen vermieden werden sollte, sind kostspielige Renovierungen, welche am Ende keine Anerkennung finden.
Eine Reihe von Problemen haben letzlich einen zaghaften Lösungsansatz gefunden. Wenn es u.a. möglich wäre, die relativ hohen Nebenkosten zu senken (die überwiegend durch Vandalismus und Gleichgültigkeit seitens der MieterInnen hervor gerufen werden), könnten stattdessen einige Benefits entstehen (z.B. einen Garten auf dem Dach des Hauses). Eine Gruppe schlug u.a. vor, einige interessierte BewohnerInnen als hausinterne "Hausmeister" einzusetzen, um die Geschäftigkeit im Haus zu halten und den Mietern mehr Verantwortung für ihr "zuhause" zu überlassen. Dies würde eventuell auch das große Desinteresse am Objekt mindern. Eine ähnliche Idee kam aus einer anderen Gruppe, welche ein großes Potential an Beschäftigungsmöglichkeiten bzw. Ausbildungsverhältnissen durch begleitete Workshops in den leerstehenden Wohnungen bzw. dem Ladenlokal im Haus sieht. In diesem Zusammenhang war es sehr hilfreich auch Repräsentanten vom Jobcenter Oberhausen und dem Wohnungsunternehmen Vonovia anwesend zu haben.