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Europaweit stehen Kommunen vor der Herausforderung, Flüchtlinge angemessen aufzunehmen. Viel zu häufig aber werden die Menschen, die allein oder mit ihren Familien ankommen in provisorischen Unterkünften, in Turnhallen, Kasernen usw. untergebracht. Als „Bürger zweiter Klasse“ haben sie kaum eine Möglichkeit, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen oder ihre physische Umgebung mitzugestalten.
Vor diesem Hintergrund hat sich das Netzwerk Refugees for Co-Creative Cities zusammengeschlossen. Initiativen aus Oberhausen, Helsinki, Ljubljana und anderen europäischen Städten wollen gemeinsam nach Strategien zur Teilhabe von Geflüchteten suchen, ihre Erfahrungen austauschen und anderen zugänglich machen. Ihr Ziel ist es, proaktiv nach Wegen zu suchen, die eine respektvollere, sinnvolle Interaktion und Betreuung anbieten, und die es den Flüchtlingen ermöglichen, sich selbst kreativ einzubringen, an sozialen und gestalterischen Prozessen in ihrem neuen Lebensumfeld teilzuhaben und sich in die lokale Gesellschaft zu integrieren.
So können sie einen gesellschaftlichen Beitrag leisten und zugleich ihr Selbstvertrauen stärken. Hinter Co-Creating steht die Vorstellung, dass viele Stimmen mehr erreichen können als eine einzige und dass Vielfalt und unterschiedliche Perspektiven einen großen Mehrwert für ein Projekt mit sich bringen.
Co-Creating ist nicht nur der Schlüssel, um einander besser zu verstehen, es ist auch ein Weg zur Gemeinschaftsbildung. Denn alle arbeiten gemeinsam: Flüchtlinge, weitere benachteiligte Bevölkerungsgruppen und alle, die Teil der Gesellschaft sind und sich für ein gutes Miteinander und ein lebenswertes Umfeld einsetzen wollen. Deshalb sind Teilnehmer, Beiträge und Ideen von verschiedensten Seiten willkommen– von Stadtbewohnern, Aktivisten, Stadtplanern, Politikern usw. Als eines der Pilotprojekte will kitev gemeinsam mit Flüchtlingen und engagierten Oberhausenern ein Hochhaus im Stadtzentrum renovieren und ein gemeinsames eigenverantwortliches Innenleben katalysieren. Das leerstehende Ladenlokal im Erdgeschoss bietet viel Potenzial für neue Nutzungen, aber auch einige verwaiste Wohnungen warten auf kreative Ideen. Die verbliebenen Bewohner des Hauses sollen in das Gemeinschaftsprojekt eingebunden und zur Mitwirkung motiviert werden.

Auftakt für die Aktivitäten im Hochhaus war die Konferenz „Mehr [als] Wohnraum“ in Kooperation mit StadtBauKultur NRW im Juli 2016. Vom 06. bis 09. September 2016 findet in Zusammenarbeit mit Interkultur Ruhr ein Co-Creation Festival statt, bei dem weitergeplant, gebaut und diskutiert wird. Die Aktion ist zugleich Teil des Projektes „New ideas for old buildings“, in dem es um kreative Strategien zur Reaktivierung vernachlässigter Gebäude geht, mit dem Ziel einer architektonischen und sozialen Aufwertung auf Quartiersebene.